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35+3 – Wie mein Sohn Christian auf die Welt kam! Not Kaiserschnitt nach Plazenta Previa Totalis

 

Kinderwunsch…

Mein Mann und ich waren uns von Anfang an einig…. wir wollen zwei Kinder die relativ nah beieinander sind (altersmäßig).

Naiv wie ich war,  dachte ich…. Du hast lange gebraucht bevor du das erste Mal schwanger wurdest, dann fäng lieber früher „mit dem Üben“ an. Als ich wieder schwanger wurde, war meine Tochter gerade mal 4 Monate alt. Im ersten Moment dachte ich „Ah, du scheiße!!!“. Doch der Schock hielt nur kurz an und wir beide freuten uns sehr auf unser zweites Kind!

Der Entbindungstermin sollte am 20.02.2014 sein. „Na toll, dachte ich, mein Sohn kommt bestimmt wie meine Tochter, 2 Tage zu spät, und dann haben wir gemeinsam Geburtstag….

Plazenta fehl am Platz…

Alles war super und unser Baby entwickelte sich wunderbar. In der 12. Woche entdeckte meine Frauenärztin, dass die Plazenta ziemlich weit unten saß. Sie machte mir aber noch Hoffnung, dass sich das verändern kann.

Etwa in der 16 Woche war dann klar, die Plazenta sitzt direkt auf dem Muttermund. Eine Plazenta Previa Totalis.
Ich hatte keine Ahnung was das bedeutete und informierte mich nach dem Gespräch bei der Ärztin erst mal im Internet. Horrorgeschichten von einer sich ablösenden Plazenta und der Lebensgefahr für das ungeborene war die Rede.

UND: Dass die einzige Möglichkeit, das Kind auf die Welt zu bringen – der Kaiserschnitt war! Für mich ein absoluter Horror. Ich habe meine Tochter spontan entbunden und habe mir NICHT vorstellen können, mich operieren zu lassen aus Angst oder um den Schmerzen aus dem Weg zu gehen. Für mich war der Kaiserschnitt immer keine richtige Geburt! Und nun? Ich hatte keine Wahl! Die Welt ging für mich unter und ich hatte sehr lange daran zu knabbern.

Meine Frauenärztin riet mir zur absoluten Vorsicht und einer sofortigen Vorsprache in der Klinik bei der kleinsten Blutung. Außerdem verhängte sie ein striktes Sex-Verbot. Für das Wohl unseres Kindes war das allerdings kein Problem.

baby boy

Es wird….

Etwa in der 20 Woche der Schwangerschaft erfuhren wir, dass wir einen Sohn erwarten…. Die Freude war groß!!! Nach der Tochter, die total auf Papa fixiert ist endlich ein Sohn… Für mich… 😉

Geizig wie ich nun mal bin, dachte ich aber auch gleich daran, dass ich keine Kleidung von meiner Tochter weiter geben kann. Also alles neu kaufen…. Egal… Es wird ein Junge!!! Juhu…..

Die Diagnose Plazenta Previa Totalis ließ mich nicht los. Ich passte auf wo es nur ging, leider nicht ganz so einfach mit einem Baby zu Hause. Da ich meine Elternzeit nach einem Jahr beendete, meldete ich Cataleya in der Kinderkrippe an. Von da an fuhren wir mit dem Zug täglich nach Freudenstadt… meine Maus in die Kinderkrippe und ich zur Arbeit.

Sie hatte eine tolle Zeit und entwickelte sich sehr gut, sie lernte unheimlich viel in kürzester Zeit dazu und hatte sichtlich Spaß. Auch meinem ungeborenen Sohn ging es prächtig. Die Zeit bei der Arbeit tat mir echt gut. Endlich mal was anderes, als nur Windeln und Babybrei, endlich auch mal wieder meine lieben Kolleginnen sehen und nicht den ganzen Tag nur über BABYKRAM reden.

Hallo, meine Plazenta sitzt falsch…

Um die 30. Woche waren wir zur Vorsprache in Tübingen in der Frauenklinik. Die Ärztin untersuchte mich und sagte so etwas wie „Wie sie hatten noch keine Blutungen? Ein Wunder ist das!“

Tatsächlich war bis dahin alles gut. Schweren Herzens legten wir einen Termin für den Kaiserschnitt fest.
Der 6.02.2014 sollte es soweit sein. Ich habe den Termin so lange es geht nach Hinten geschoben. Für ein Baby ist es nun mal am besten sich IM Bauch der Mama zu entwickeln und zu wachsen.

Etwas läuft aus mir raus….

Voller Zuversicht ging ich nach Hause und das Leben, der Alltag, ging weiter. Bis zum 19.01.2014, es war ein Sonntag. Wir waren gerade mit dem Frühstück fertig als ich merkte, dass „etwas aus mir rausläuft“. Ich ging aufs Klo mit dem Gedanken: „Na toll, jetzt auch noch Blasenschwäche oder was!?!“

Das was aus mir rauslief war aber kein Urin, es war Blut. In Strömen rannte es nur so die Schenkel runter.

Ich rief meinem Mann zu, er soll sich und unsere Tochter anziehen, ich dusche schnell und dann fahren wir in die Klinik. Zu dem Zeitpunkt war ich noch die Ruhe selbst.

Mein Mann kam sofort ins Bad um nach mir zu sehen. Als er das Blut an meinen Schenkeln runterlaufen sah, war für ihn klar, er ruft den Krankenwagen. Ich duschte also, zog mich an und stellte meine Kliniktasche bereit. Mein Mann zog unsere Tochter und sich an und telefonierte mit seinem Cousin ob er Cataleya vorbei bringen kann.

Noch heute nimmt mich das erlebte so sehr mit, dass ich hier sitze und Tränen vergieße während ich es schreibe. Ich schreibe es, weil ich es schreiben muss… Ich muss es einfach rauslassen…. Ich muss es erzählen, aber ich muss auch unterbrechen, denn vor lauter Tränen sehe ich nichts mehr….. Pause!

Abschied…

Der Krankenwagen kam innerhalb von 10 Minuten, ich verabschiedete mich von meinen Lieben. Der Abschied von meiner kleinen Tochter fiel mir besonders schwer. War sie doch mein kleines Mädchen und ich war Ihre Mama….
Niemand, niemand außer mir kann sie ins Bett bringen!!! Niemand, niemand außer mir kann sich so gut um sie kümmern wie ich das tue (dachte ich).

Wir fuhren mit Blaulicht und Martinshorn in die Frauenklinik nach Tübingen. Ich wurde sofort untersucht und dass von mehreren Ärzten gleichzeitig. Zwischenzeitig hatte die Blutung aufgehört und als mein Mann im Krankenhaus ankam konnte ich ihm direkt sagen, dass er Urlaub braucht, da ich über Nacht bleiben musste. Das war aber nicht lange so….

Die Ärzte stellten fest, dass sich die Plazenta tatsächlich abgelöst hatte. Die Entscheidung stand fest, noch heute würde mein Sohn auf die Welt kommen.
In meinem Kopf herrschte ein Durcheinander… Nicht heute, ich bin noch nicht soweit, ER ist nicht soweit. Ich war in der 35 Woche….. Das ist zu früh!!!!

Alles in mir sträubte sich, doch ICH hatte es nicht zu entscheiden. Das Leben meines Kindes und auch meins war in Gefahr. Daher musste ich auf die Ärzte hören, bzw. wurde gar nicht erst gefragt. Ich habe meinem Mann noch gesagt, dass er unser Kind nicht aus den Augen lassen darf und unseren Sohn nicht alleine lassen soll, falls ich ihn nicht sofort bekomme.

Kaiserschnitt…

Mein Mann wurde zum Umziehen geschickt, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass allein durchstehen zu müssen. Gleich würde jemand meinen Bauch aufschneiden um mein Baby rauszuholen. Nicht ich würde es auf die Welt bringen! ER war noch nicht so weit. Ich hatte keine Wehen und mein Baby war nicht vorbereitet auf das, was gleich geschehen würde. Ich hatte solche Angst!

Während mein Mann sich umzog begann es wieder zu bluten. Dieses Mal sehr stark, ich fühlte es laufen als ob jemand den Wasserhahn aufgedreht hat. Die Ärzte entschieden sofort einen Not Kaiserschnitt zu machen. Unter Vollnarkose.

Während ich in den OP geschoben wurde, allein, ängstlich, zitternd und weinend wurde mein Mann informiert, dass er doch nicht dabei sein konnte. Ich kann mir nicht vorstellen wie es ihm ging, mit welchen Gedanken und Gefühlen er kämpfen musste als er da auf dem Gang vor dem OP wartete.

Ich wurde festgeschnallt und bekam die Maske auf, ab da weiß ich nichts mehr…..

Und dann war er da…

Mein Mann erzählte mir später, dass keine 10 Minuten, nachdem ich reingeschoben wurde unser kleiner Christian „geboren“ wurde.  Es war 9:50 Uhr am Sonntag, den 19.01.2014.

Später konnte ich im Arztbrief lesen, dass mein kleiner (großer Junge) mit 48 cm und 3015 Gramm in der SSW 35 +3 auf die Welt kam. Er atmete zunächst alleine und hat auch geschrien, danach atmete er jedoch nicht mehr allein.

Mein Sohn kam mit Beatmungsschläuchen und Sauerstoff auf die Babyintensiv in ein Wärmebett. Er bekam eine Magensonde und wurde an alle möglichen Geräte angeschlossen. Währenddessen kam ich auch auf die Intensivstation. Etwa drei Liter Blut hatte ich verloren. Während ich aus der Narkose erwachte ist mein Mann zwischen mir und unserem Sohn hin und her gependelt. Wie muss er sich gefühlt haben. Ich habe ihn, glaube ich, nie danach gefragt. Das sollte ich aber….

Denn auch er muss gelitten haben… Angst um seinen Sohn UND um seine Frau gehabt haben… Er sagte mir später, dass er mir bestimmt 10-mal erzählt hat, dass es Christian soweit gut geht. Einer der Pfleger machte ein Foto meines Sohnes und drückte es mir in die Hand. Ich war so durcheinander und die Narkose wirkte nach, ich fragte immer wieder nach meinem Kind. Mein Kind welches noch vor einer Stunde in meinem Bauch turnte. Und jetzt war es weg! Ich habe es nicht mal gesehen, ich konnte es nicht an mich drücken und ihn nicht willkommen heißen!!!

Pause….

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Warten auf das erste Treffen….

Irgendwann am Nachmittag konnte ich verlegt werden. Mein Kreislauf jedoch war total im Keller, ich brauchte keine Bluttransfusion aber ich war so schwach, dass ich nicht mal sitzen konnte. Ich fragte immer wieder nach meinem Kind, aber ich durfte erst zu ihm, wenn mein Kreislauf stabilisiert war.

In meinem Zimmer lagen noch 2 andere Mütter, glücklich und zufrieden, dass Ihre Kinder endlich auf der Welt sind. Ich versuchte die Babygeräusche und die Sehnsucht nach meinen zwei Kindern auszublenden. Die Große, um die sich jetzt mein Mann kümmern musste und mein kleiner Sohn, der ganz allein auf der Babyintensiv lag.

Ihm war warm, aber es war nicht die Wärme seiner Mama. 35 Wochen war er in meinem Bauch und jetzt plötzlich war er allein. Allein auf dieser Welt und ich konnte nichts dagegen tun. Man ließ mich nicht zu ihm…..

Erst wenn ich aufstehen konnte ohne dass der Kreislauf wegbricht würde ich meinen Sohn sehen. Als ich das erste Mal zu ihm durfte wurde ich im Rollstuhl zu ihm geschoben…. 30 Stunden waren seit seiner Geburt vergangen. Ich sah in an und konnte nicht glauben das dies mein Sohn war…. Seine Haut war so dunkel und seine Haare schwarz. Ich habe bestimmt 1000x gefragt ob sie sich sicher sind. Was für eine Mutter war ich, die ihr eigenes Kind nicht erkannte?

Pause….

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Mein kleiner Christian ist gar nicht so klein….

Ich besuchte Christian in jeder Minute in der ich konnte. Zunächst im Rollstuhl, dann auf eigenen Beinen. Mir selbst ging es immer besser, so dass ich am Donnerstag entlassen werden sollte. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, MEIN KIND allein im Krankenhaus zurück zu lassen. Ich zog also in Mütterhaus und lernte dort Frauen kennen, denen es schlechter ging als mir, deren Kinder SEHR VIEL früher auf die Welt gekommen sind. Mütter die sehr viel länger hier ausharren würden wie ich…

Meine Tochter fehlte mir sehr… Und so weinte ich mal wegen Christian und mal wegen Cataleya… Meist wegen beiden gleichzeitig. Ich wusste aber, meine Tochter ist beim Papa gut aufgehoben. Sie besuchten mich einige Male, aber für mein Mädchen, gerade mal 15 Monate alt, war das Krankenhaus ziemlich langweilig. Und so verbrachte ich die Tage bei Christian. Mein Mann teilte sich so gut es ging auf. Er unternahm viel mit Cataleya, so dass mein kleines Mädchen, welches jetzt die große Schwester war, nicht allzu sehr unter der Situation leiden musste.

Die Sauerstoff Werte verbesserten sich, bald schaffte es Christian auch selbst zu trinken. Nur die Temperatur, die konnte sein kleiner Körper noch nicht alleine halten. Bald darauf konnte er auf die „normale“ Babystation verlegt werden, wo die Körpertemperatur noch überwacht wurde. Ab da konnte ich mich selbst um ihn kümmern. Ihn wickeln, ihn füttern, ihn baden. Nach einigen Tagen schaffte er es, seine Temperatur zu halten und wir konnten nach Hause. Cataleya würde endlich Ihr Brüderchen kennenlernen. Ich wäre endlich wieder bei meiner Familie.

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Dankbarkeit…

Die Kaiserschnitt Narbe bereitete mir Probleme und ich hatte immer noch starke Schmerzen. Im Vergleich zur ersten Geburt, wo ich nach 2 Stunden mit meiner Tochter spazieren war, erlebte ich hier die Hölle auf Erden.

Aber all das war egal!!! Mein Sohn war gesund, ich war gesund und das verdanke ich meinem Mann, der die Situation richtig eingeschätzt hat und den Krankenwagen gerufen hat. Und auch den Ärzten, die ohne zu zögern reagiert haben und mein Baby auf die Welt holten.

Ich habe auch heute noch extrem daran zu knabbern….
Und auch heut, fast 3 Jahre später, kommen mir die Tränen wenn ich mich daran erinnere.
Aber dann sehe ich meinen Sohn an… Meinen kleinen Riesen der etwa 98 cm groß ist und Schuhgröße 28 trägt.
Meinen Sohn, dem man das „Frühchen“ nicht ansieht bzw. anmerkt, meinen Christian, der ganz gesund ist!
Diesem kleinen Mann, der immer wieder aus seinem Bett rauskrabbelt und mit dem frechsten Grinsen der Welt um die Ecke schielt! Dem ich einfach nicht böse sein kann!!!

Der seine Mama so sehr braucht, gerne und viel Kuschelt und der jede Nacht zu mir kommt!
Der so wunderschön und perfekt ist, dass es weh tut!
Mein Christian, den ich so sehr liebe, dass ich mein Leben für ihn geben würde!!!
Genau wie für meine Tochter!!!

Habt ihr auch etwas erlebt, dass es euch noch Jahre danach beschäftigt und möchtet es gerne erzählen?

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