Familie

Brief an meine Tochter – Eine Liebeserklärung!

Cataleya,

meine geliebte Tochter, heute vor vier Jahren warst du noch in meinem Bauch und ich konnte es kaum erwarten, dich endlich kennenzulernen. Alles war neu, alles war aufregend und der Weg bis zu deiner Geburt war nicht immer einfach, aber wunderschön.

Am 11.10. wirst du vier Jahre alt. Und ich möchte diesen besonderen Moment nutzen, um dir einen Brief zu schreiben. Einen Brief, den du vielleicht eines Tages liest und verstehst, wie sehr du mein Leben verändert hast.

Dein Papa und ich waren schon sechs Jahre verheiratet, als du zu uns gekommen bist. In dieser Zeit gab es viele Veränderungen, Jobwechsel und Umzüge. Mein Kinderwunsch war da, aber ich habe ihn lange zurückgestellt. Ich erinnere mich noch genau, wie ich zu deinem Papa gesagt habe: „Ohne unbefristeten Arbeitsvertrag bekomme ich kein Kind.“ Für mich war immer klar, dass ich auch als Mama arbeiten möchte.

So wurde es mir vorgelebt. Deine Oma, meine Mama, hat immer gearbeitet. Erst viel später habe ich verstanden, warum. Sie hat uns als Alleinerziehende großgezogen und dabei alles gegeben. Als Kind habe ich einfach nur eine starke, stolze Frau gesehen, die sich von nichts unterkriegen lässt und alles dafür tut, ihren Kindern eine schöne Kindheit zu ermöglichen.

Und genau das wünsche ich mir auch für dich.

Ich wünsche mir, dass du eines Tages auf deine Kindheit zurückblickst und sagen kannst: „Es war schön, auch wenn Mama nicht immer da war.“

Cataleya

Wir wollten ein Baby

Als wir uns endlich entschieden haben, ein Baby zu bekommen, dauerte es noch eine ganze Weile, bis es wirklich geklappt hat. Ich habe mir dich so sehr gewünscht, dass ich mich selbst völlig verrückt gemacht habe. Es wollte einfach nicht funktionieren. Ich habe mit deinem Papa gestritten und bei meiner Mama geweint. Erst im Nachhinein habe ich verstanden, dass ich mir selbst im Weg stand.

Als ich dann endlich schwanger war, konnte ich mein Glück kaum fassen. Schon in der etwa achten Woche habe ich es einem Großteil der Familie und meiner Freundin Gaby erzählt. Ich hätte es einfach nicht länger für mich behalten können.

Mit jeder Woche wuchs mein Bauch und ich habe jeder Untersuchung und jedem Ultraschall entgegengefiebert, nur um dich zu sehen. Ich habe unzählige Bücher gelesen und oft bis spät in die Nacht in Mama-Foren gestöbert, weil ich mich so gut wie möglich vorbereiten wollte.

Mit jedem Tag wurde meine Liebe zu dir größer. Und als ich dich zum ersten Mal gespürt habe, dieses zarte Flattern wie Schmetterlinge im Bauch, war ich einfach überwältigt. Du hast mich zum ersten Mal getreten und ich war vollkommen erfüllt von Glück.

In dieser Zeit kam meine Freundin Gaby oft in meinem Büro vorbei, hat meinen Bauch angestupst und mit dir gesprochen. Und jedes Mal hast du geantwortet. Wirklich jedes Mal. Du hast dich so gut entwickelt und bei jedem Ultraschall konnte ich sehen, wie du gewachsen bist und welche Fortschritte du gemacht hast.

Ein ganz besonderer Moment war für mich der 3D-Ultraschall. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dein Gesicht erkennen zu können. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie überwältigend dieser Moment war.

Sehr lange hast du uns nicht verraten, ob du ein Mädchen oder ein Junge bist. Und als es dann endlich so weit war, waren wir einfach nur überglücklich. Eine kleine Prinzessin würde zu uns kommen. Auch deine Tante Anita hat sich riesig gefreut. Wie du weißt, hat sie zwei Jungs und konnte es kaum erwarten, endlich Kleidchen und Röckchen zu kaufen.

Cataleya

Schwangerschaft und deine Geburt

Die Schwangerschaft mit dir war wunderschön. Ich hatte keine Übelkeit und auch sonst kaum Beschwerden. Trotzdem gab es ein paar Momente, die ich nie vergessen werde. Einmal hast du mir so kräftig in den Magen getreten, dass ich sofort nach Hause musste, um mich hinzulegen.

Und gegen Ende der Schwangerschaft habe ich deinem Papa und deinem Onkel Stefan sogar verboten, mich zum Lachen zu bringen. Auch das gehört wohl zu den weniger schönen Seiten des Mamaseins.

Dein errechneter Geburtstermin war der 09.10.2012. Aber du hattest es offensichtlich nicht eilig. Damals haben wir noch in Loßburg gewohnt. Am 10.10. waren wir damit beschäftigt, zwei Kürbisse für Halloween auszuhöhlen. Ich hatte das Gefühl, dass ich später keine Zeit mehr dafür haben würde.

Nach getaner Arbeit sind wir noch eine Runde spazieren gegangen, um unser Werk zu bewundern. Und ich weiß noch ganz genau, wie ich zu deinem Papa gesagt habe: „Irgendetwas ist anders. Irgendetwas ist komisch. Ich würde mich nicht wundern, wenn ich dich heute Nacht wecken müsste.“

Es ist verrückt, wie eine Mutter so etwas spürt. Meine Hebamme hatte immer gesagt, dass ich merken würde, wenn es losgeht. Bis zu diesem Tag habe ich das nicht wirklich geglaubt.

Gegen 23 Uhr gingen wir ins Bett. Ich konnte nicht schlafen und habe mich hin und her gewälzt. Waren das schon Wehen oder nur ein nervöses Ziehen im Bauch? Ich war mir unsicher und begann, die Abstände zu messen. Sie wurden immer kürzer.

Also stand ich wieder auf, bügelte noch ein paar Sachen für das Krankenhaus und machte mich fertig. Schließlich will man ja beim wichtigsten Blind Date seines Lebens gut aussehen.

Dann weckte ich deinen Papa. Als ich ihm sagte, dass die Wehen alle fünf Minuten kommen, wurde auch er langsam nervös. Ich machte ihm noch schnell einen Kaffee, bevor wir losfuhren.

Das Krankenhaus in Freudenstadt war nur etwa sieben Kilometer entfernt. Eine kurze Strecke, die sich in diesem Moment unglaublich lang anfühlte. Kaum ausgestiegen, wurden die Wehen deutlich stärker. Ich musste immer wieder stehen bleiben, weil sie bei mir vor allem starke Rückenschmerzen ausgelöst haben.

Im Krankenhaus angekommen klingelten wir am Kreißsaal. Die Schwester öffnete die Tür und fragte mich, was sie für mich tun könne. Ich schaute nur auf meinen Bauch und sagte: „Sie dürfen gern mein Kind holen.“

In diesem Moment dachte ich nur: Was für eine Frage. Was macht wohl eine hochschwangere Frau nachts um zwei Uhr vor dem Kreißsaal?

Cataleya Brief an meine Tochter

Deine Geburt – der Moment, der alles verändert hat

„Ne, oder?“

Wir wurden ins Krankenhaus hereingebeten und ich wurde untersucht. Der Muttermund war etwa vier Zentimeter geöffnet. Also hieß es erst einmal warten und spazieren gehen.

Doch die Wehen wurden schnell stärker. Irgendwann war an Spazieren kaum noch zu denken.

Gegen fünf Uhr rief dein Papa seinen Chef, deinen Onkel Atilla, an. Und als dieser ans Telefon ging, hörte ich kein „Hallo“, sondern nur ein ungläubiges: „Ne, oder?“

Natürlich wussten alle, dass du bald kommen würdest. Aber dass es dann doch so plötzlich ging, hat uns selbst überrascht.

Zum Glück war es überhaupt kein Problem, dass dein Papa bei mir blieb. Also gingen wir zurück in den Kreißsaal. Der Muttermund war inzwischen bei etwa acht Zentimetern. Wir durften bleiben. Und ab da wurde es ernst.

Die Geburt tat weh. Sehr weh.

Und trotzdem war es gleichzeitig einer der schönsten Momente meines Lebens. Ein Erlebnis, das mich für immer verändert hat.

Dein Papa fühlte sich in dieser Zeit bestimmt oft hilflos. Er sah, wie sehr ich kämpfte, und konnte mir den Schmerz nicht nehmen. Aber er war da. Er hielt meine Hand, erinnerte mich daran zu trinken und sprach mir immer wieder gut zu. Obwohl in ihm selbst wahrscheinlich alles Kopf stand.

Und dann warst du da.

Um 11:30 Uhr am 11.10.2012 bist du auf die Welt gekommen.

In dem Moment wurde alles still.

Du lagst sofort auf meinem Bauch und ich konnte deine Wärme spüren. Dieses Gefühl lässt sich kaum beschreiben. Es war, als würde die Welt für einen Augenblick stehen bleiben.

Alles um mich herum war verschwommen. Ich sah nur dich.

Dieses kleine Mädchen. Meine Tochter.

Du warst 55 Zentimeter groß, hattest einen Kopfumfang von 36 Zentimetern und hast 3890 Gramm gewogen. Und trotzdem warst du für mich das zarteste Wesen der Welt. Wunderschön. Zerbrechlich.

Und irgendwie hast du schon damals ausgesehen wie dein Papa.

Die Hebamme ließ deinen Papa dich anziehen. Und sie merkte sofort, dass er das ganz selbstverständlich machte.

In diesem Moment wusste ich:

Dein Papa liebt dich.

Er wird immer für dich da sein. Dich beschützen. Dich begleiten. Alles dafür tun, dass dein Leben schön wird.

Und vor allem wird er seine kleine Prinzessin immer lieben. Über alles.

Cataleya Brief an meine Tochter

Die ersten Tage mit dir und was du heute für mich bist

Etwa zwei Stunden nach deiner Geburt kamen deine ersten Besucher.

Noch im Kreißsaal legte ich dich deinem Opa Rolf zum ersten Mal in die Arme. Ich werde nie vergessen, wie stolz er dich ansah und wie ihm dabei die Tränen in die Augen schossen.

Oma Gaby war da, Tante Nana war da … und ich glaube, Onkel Oli auch. Aber da bin ich mir nicht mehr ganz sicher. Die Hormone haben damals einiges durcheinandergebracht. Sorry, Oli.

Ein paar Tage später durften wir nach Hause. Es war wunderschön, dich endlich bei uns zu haben. Und gleichzeitig begann für mich ein ganz neuer Abschnitt.

Ich war zum ersten Mal Mama.

Ich war unsicher.
Ich hatte Angst, etwas falsch zu machen.
Und ich war unglaublich müde.

Manches davon begleitet mich sogar heute noch.

Aber heute bist du kein Baby mehr. Du bist fast vier Jahre alt und ein großes Mädchen, wie du selbst immer sagst.

Du bist mittlerweile 106 Zentimeter groß, hast einen Kopfumfang von 53 Zentimetern und wiegst etwa 15 Kilogramm. Du hast goldenes Haar, wie du so stolz betonst, und die blau-grauen Augen meiner Mama. Und trotzdem sehe ich so viel von mir in dir.

Du bist klug, wissbegierig und selbstbewusst. Du hast eine starke Persönlichkeit und weißt ganz genau, was du willst und was du nicht willst.

Das ist manchmal anstrengend. Sehr sogar.

Aber ich bin unglaublich stolz darauf.

Du schläfst noch nicht durch und ja, das bringt mich manchmal an meine Grenzen. Der Schlafmangel macht mich hin und wieder gereizt und oft frage ich mich, ob ich alles richtig mache, so als ob ich eine Rabenmutter wäre. Aber auch das ist nur eine Phase. Und ich weiß, dass sie irgendwann vorbeigehen wird.

Was bleibt, bist du.

So wie du bist.

Sei frech, wild und wunderbar.

Genau so bist du richtig.

Cataleya

Stolz und Wahnsinn

Du machst mich stolz.

So oft führst du Gespräche mit mir, bei denen ich kaum glauben kann, dass sie von einer Dreijährigen kommen. Du bist offen, gehst ohne Angst auf andere Menschen zu und findest so leicht neue Freunde. Und was mich besonders berührt: Du vergisst sie nicht einfach, nur weil sich etwas verändert.

Aber du bringst mich auch an meine Grenzen.

Mit deinem sturen Dickkopf.
Mit deiner zickigen Art.
Mit deinem starken Wunsch, alles kontrollieren zu wollen und genau zu wissen, wie die Welt zu funktionieren hat.

Und genau das macht dich aus.

Cataleya Brief an meine Tochter

 

Meine Wünsche für dich

Ich wünsche mir, dass du zu einem starken, selbstbewussten Menschen heranwächst. Dass du deine Meinung kennst, sie aussprichst und auch dafür einstehst.

Ich möchte dir Werte mitgeben. Dir zeigen, was Respekt bedeutet. Vor anderen Menschen, vor der Welt und vor dir selbst.

Ich wünsche mir, dass du einmal diejenige bist, die im Bus aufsteht, wenn jemand deinen Platz braucht. Nicht, weil es jemand von dir verlangt, sondern weil es sich für dich richtig anfühlt.

Ich möchte, dass du eine glückliche Kindheit hast. Dass du das Gefühl hast, es fehlt dir an nichts, auch wenn du nicht alles bekommst.

Ich möchte, dass du immer zu mir kommen kannst. Mit deinen Fragen, deinen Sorgen oder einfach, weil du jemanden brauchst, der dir zuhört.

Ich verspreche dir:

Ich werde für dich da sein.
Ich werde dir zuhören.
Ich werde dich unterstützen, egal was kommt.

Ich werde dich beschützen, so gut ich kann.

Aber ich werde nicht immer deine beste Freundin sein. Ich bin deine Mama. Und manchmal bedeutet das auch, dich zu bremsen, dir Grenzen zu setzen und Entscheidungen zu treffen, die dir vielleicht nicht gefallen.

Ich werde versuchen, dir Freiheiten zu lassen. Auch dann, wenn ich Angst habe.

Und ich werde mich bei dir entschuldigen, wenn ich Fehler mache.

Denn auch ich lerne jeden Tag dazu.

Du bist meine Tochter.
Meine Prinzessin.
Mein größtes Geschenk.

Und ja, manchmal auch mein kleines Teufelchen.

Aber eines wird sich niemals ändern:

Ich werde dich immer lieben.
Über alles.

Für immer deine Mama.

In Liebe,
Mama

Cataleya Brief an meine Tochter

6 Gedanken zu „Brief an meine Tochter – Eine Liebeserklärung!

  • Kuchen, Kind und KegelBeitragsautor

    Sehr gerne… Bis morgen Anna!

  • Kuchen, Kind und KegelBeitragsautor

    Vielen Dank. Ich war anfangs etwas unsicher ob wir ihr tatsächlich solch einen ungewöhnlichen Namen geben sollen. ?

  • Cataleya ist so ein wunderschöner Name. Und solche persönlichen Briefe finde ich ganz toll.
    LG Annika

  • Katja

    Ganz Tolle Liebeserklärung!

  • Ach wie süß! Ich habe eine Amerikanische Lieblingsbloggerin, die regelmäßig Briefe an ihre Töchter veröffentlicht und dabei immer über die Momentane Zeit schreibt. (http://fatmumslim.com.au/category/letters-to-my-kids/) Ich finde sowas ganz klasse. Allein, weil deine Kleine später die Möglichkeit hat, nachzulesen und nachzuvollziehen wie sehr du sie schon immer geliebt hast.

    Liebe Grüße,
    Franzi

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